Digitale Immobilienvermarktung ist kein E-Commerce

1994, also vor bald 30 Jahren, wurde Amazon gegründet. Zunächst konkurrierte die Plattform nur mit dem Buchhandel, inzwischen aber stellt sie die wohl stärkste Konkurrenz des gesamten stationären Einzelhandels dar. Der von Amazon befeuerte Trend zum E-Commerce hat durch die Pandemie nochmals Schub erhalten.

Auch Immobilien haben den Weg auf die digitalen Ladentheken geschafft. Wieso auch nicht?  Gerade bei Neubauwohnungen bietet das viele Vorteile, werden sie doch meist verkauft, bevor sie überhaupt errichtet wurden und vor Ort besichtigt werden können. Mit Technologien wie Virtual-Reality können Interessenten die Wohnung bequem daheim auf der Couch realitätsgetreu virtuell besichtigen. In diesem Kontext ist auch digitale Immobilienvermarktung schon längst keine Neuheit mehr. Die großen Portale haben Prospekten, Zeitungsannoncen oder Werbesendungen den Rang abgelaufen. Dem E-Real-Estate-Commerce steht also nichts mehr im Wege. Oder?

Denkfehler: Masse ist nicht gleich Klasse

So einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist es nämlich auch wieder nicht. Die Logik des E-Commerce lässt sich nicht einfach auf die Immobilienvermarktung übertragen.

Immobilien sind keine Konsumgüter, von denen der Anbieter so viele wie möglich verkaufen muss. Allein die Zahl der Leads zu maximieren führt bei der digitalen Immobilienvermarktung in die Irre. Es kommt nicht auf die Menge der Leads an, sondern auf ihre Qualität. Jede Immobilie existiert nur einmal, selbst bei baugleichen Einheiten unterscheidet sich mindestens die Lage im Objekt. Es geht also nicht darum, allein die Zahl der Leads zu maximieren. Im Zweifel genügt sogar nur ein Lead. Gesucht ist also die Person, die zum besten Preis kaufen will.

Wie aber lässt sich die Qualität eines Leads beurteilen? Erfahrenen Maklern wird nachgesagt, dass sie durch schiere Menschenkenntnis oft auf den ersten Blick erkennen können, ob ein Interessent tatsächlich interessiert oder auch ausreichend solvent ist. Abgesehen davon, dass eine persönliche Inaugenscheinnahme online kaum möglich ist: Die „Methode Bauchgefühl“ ist aus der Zeit gefallen.

Noch einmal zurück zu Plattformen wie Amazon: Ihr krasser Wettbewerbsvorteil liegt nicht allein in der Online-Verfügbarkeit. Mindestens genauso wichtig ist die Auswertung der anfallenden Daten, auf deren Basis sich zahlreiche im wahrsten Sinne des Wortes gewinnbringende Vorteile erschließen lassen.

Vom Bauchgefühl zur Messbarkeit

Dieser entscheidende Schritt wurde bei der Immobilienvermarktung bislang nicht vollzogen. Das ändern wir mit FlatyFind. Denn natürlich werden bei einer virtuellen Wohnungsbesichtigung zahlreiche Daten generiert. Wo kommen die Interessenten her, welche Wohnungsgrößen, welche Grundrisse bevorzugen Sie, welche Bodenbeläge und Badarmaturen? Im ersten Schritt lassen sich daraus direkte Rückschlüsse ziehen, um beispielsweise Grundrisskorrekturen vorzunehmen.

Noch interessanter wird es jedoch, wenn diese Vielzahl an ohnehin anfallenden Daten miteinander ins Verhältnis gesetzt und automatisiert ausgewertet wird. Unser Best-Price-Algorithmus schlägt etwa eine präzise Preisanpassung vor, wenn er eine höhere Zahlungsbereitschaft identifiziert hat. Hier schließt sich der Kreis: Zeit ist Geld – welcher Lead ist der qualitativ hochwertigste, wo lohnt es sich zuerst anzurufen? Wer einmal im Vertrieb tätig war, weiß, welchen Unterschied solche Entscheidungen machen können. Bei der Immobilienvermarktung sind wir heute nicht mehr allein von unserem Bauchgefühl abhängig. Datengetriebene Analysen sind kein „nice-to-have“, sondern entscheidender Wettbewerbsvorteil und bares Geld wert.

Enrico Kürtös

Enrico Kürtös

Als Gründer und CEO von FlatyFind kennt Enrico den digitalen Immobilienmarkt wie seine eigene Westentasche. Neben einem breiten Expertenwissen hat er vor allem eins: Eine Meinung. Beides teilt er gerne mit Ihnen hier auf dem Blog.

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