Die Maschine wird nicht müde

Algorithmen werden nicht müde

Als vergleichsweise junger Digitalunternehmer, der sich auf Virtual Reality und Data Analytics spezialisiert hat, werde ich häufig mit einem Vorurteil konfrontiert, mit dem ich an dieser Stelle einmal aufräumen möchte: Nein, ich bin kein Gamer. Ich verbringe meine Abende nicht (ausschließlich) vor dem heimischen Rechner. Ich habe ein Privatleben, das nicht nur aus Pixeln besteht.

Aber natürlich habe ich, wie wahrscheinlich viele von uns, schon einmal ein Computerspiel gespielt. Und eines ist mir dabei besonders im Hinterkopf geblieben. Mein Gegenüber, wenn er nicht gerade eine reale Person ist, wurde einfach nicht müde. Ich hätte wahrscheinlich 30 Stunden gegen den Computer spielen können, aber die Maschine hätte trotzdem noch die gleiche Leistung abgerufen.

Eine dunkle Dystopie

Kennen Sie Civilization 2? Das PC-Spiel wurde 1998 veröffentlicht. Ja, jetzt fühlen sich viele sicher alt. 2002 begann James Moore eine Partie, die mindestens zehn Jahre dauern sollte. Nach all der Zeit hatte der Spieler 1.700 virtuelle Jahre in diesem Spiel verbracht. Drei Supermächte, eine davon natürlich seine selbst, blieben übrig. Durch die zahlreichen nuklearen Angriffe sind die Pole mehrfach geschmolzen (ja, so smart ist der Algorithmus dann doch nicht), das Hochwasser und die Verseuchung haben nahezu die gesamte Spielkarte unbewohnbar gemacht. Eine dunkle Dystopie. Natürlich hat James Moore das Spiel nicht am Stück gespielt, aber immer, wenn er seinen Spielstand geladen hat, wartete ein ausgeruhter Gegner auf ihn, der „Computer“.

Fehlerpotenzial weitaus geringer

Das Ganze können wir natürlich auf die Immobilienwirtschaft übertragen, schließlich sind trainierte Algorithmen seit mehreren Jahren bereits unsere Kollegen. Sie haben einen deutlichen Vorteil auf ihrer Seite. Sämtliche wiederkehrende Prozesse werden durch sie automatisiert. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese 24 oder nur 8 Stunden pro Tag vollzogen werden. Der Algorithmus wird nun einmal nicht müde – außer man hat es ihm entsprechend beigebracht. In der Buchhaltung gehören sie längst zum Alltag, zunehmend auch im Asset Management, der Bewertung und Finanzierung. Auch in der strukturierten Immobilienvermarktung greifen wir bereits auf die Möglichkeiten zu, zumindest in einem geringen Maße. Denken Sie nur mal an die automatisierte Exposé-Erstellung und das Lead-Management. Einen weiteren Vorteil hat diese Automatisierung. Ein Algorithmus macht deutlich weniger Fehler als der Mensch. Er wird schließlich nicht müde, unkonzentriert oder – anders gesagt – einfach menschlich.

Zahlreiche Einsatzbereiche in der Vermarktung

Der Einsatz von Algorithmen ist aber nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel, zumindest in der Immobilienvermarktung. Machen Sie einmal den Selbsttest: Wie viele Aufgaben haben Sie im Januar erledigt, die Sie auch schon im Dezember oder November erledigt haben? Und haben Sie das Gefühl, dass diese Aufgaben unabhängig vom aktuellen Stand der technologischen Möglichkeiten auch durch einen Algorithmus erledigt werden könnten, damit Sie mehr Zeit für wichtigere Dinge haben? Bei einer virtuellen Immobilienbesichtigung etwa gibt es zahlreiche Einsatzbereiche für Data Analytics und entsprechende Algorithmen. Und diese Algorithmen werden nicht müde, das kann ich schon mal versprechen.

Kollege Algorithmus

Algorithmen haben viele Vorteile. Sie können für uns die Aufgaben übernehmen, die wir nicht machen wollen. Sie können nachts arbeiten, wenn wir Feierabend machen. Und sie können unseren Alltag deutlich erleichtern und wichtige Vorbereitungen etwa in der Datenanalyse übernehmen. Nur einen Nachteil haben sie: Sie bringen keinen Kuchen mit, wenn es etwas zu feiern gibt. Noch nicht zumindest.

Enrico Kürtös

Enrico Kürtös

Als Gründer und CEO von FlatyFind kennt Enrico den digitalen Immobilienmarkt wie seine eigene Westentasche. Neben einem breiten Expertenwissen hat er vor allem eins: Eine Meinung. Beides teilt er gerne mit Ihnen hier auf dem Blog.

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