Das Bauchgefühl hat ausgedient

Ihr Bauchgefühl hat Sie noch selten enttäuscht? Sie sind seit Jahrzehnten in der Branche tätig und haben dadurch einen Erfahrungsschatz, der sich in einer mehr als gesunden Intuition niederschlägt? Das ist schön. Intuition oder Bauchgefühl hat nämlich seine Berechtigung. Besonders da, wo es keine oder nur schwer zugängliche Informationen gibt und wo es auf die Schnelligkeit von Entscheidungen ankommt. Feuerwehrleute oder Ärzte handeln in der akuten Notlage intuitiv und schlagen so dem Schicksal zum Glück noch oft ein Schnippchen.

In der strukturierten Immobilienvermarktung hat diese Intuition aber meiner Meinung nach nichts verloren. Dennoch berufen sich nach wie vor viele darauf. Was ist denn Bauchgefühl? Bauchgefühl ist eine Ahnung, die man hat, weil entsprechende Daten fehlen. Ist der kalkulierte Preis realistisch? Könnte sein, aber genau weiß ich es nicht. Sind die Wohnungsgrößen, mit denen ich in der Lage plane, überhaupt nachgefragt? Könnte sein, aber genau weiß ich es nicht. Sollte ich mein Online-Marketing auf die direkte Nachbarschaft konzentrieren, weil die meisten Wohnungskäufer aus der Umgebung kommen werden? Eventuell, aber genau weiß ich es nicht. Eigentlich verlässt man sich also bei der Planung und Vermarktung von Immobilienprojekten immer nur auf seine Intuition. Diese Intuition ist doch häufig nur die Abwesenheit einer konkreten Datengrundlage. Das kann doch nicht alles sein.

Daten sprechen lassen

Erfahrung ist wichtig, aber sie basiert schlichtweg auf Erkenntnissen, die man über die Zeit gewonnen hat. Oder anders ausgedrückt: Sie sind das Ergebnis von Informationen, die man als Experte im Laufe seines Berufslebens verarbeitet hat. Ein intransparenter Prozess und lediglich ein Blick in den Rückspiegel. Wenn man es so betrachtet, klingt es regelrecht nach einer Einladung, Algorithmen walten zu lassen – zumindest für mich als Digitalunternehmer. Wie können wir es also schaffen, das Bauchgefühl in der Immobilienvermarktung durch konkrete und belastbare Datenanalysen zu ersetzen. Wir sollten Daten sprechen lassen, das ist greif- und messbar.

Wir sehen viel, aber erfassen wenig

Wenn wir uns eine Immobilienvermarktung anschauen, stellen wir schnell fest, wie viele wertvolle Informationen dabei entstehen. Denken Sie nur einmal daran, welche Fragen verschiedene Käufer stellen, wofür sie sich interessieren, wie sie sich Raumschnitte und Etagenpläne anschauen, die Nachbarschaft befragen und über Kaufpreise verhandeln. All diese Daten wurden in der Vergangenheit im Normalfall nicht erfasst, höchstens vielleicht in Excel-Sheets. Oder wann ist es Ihnen einmal untergekommen, dass Makler den Kaufinteressenten hinterhergelaufen sind und genau festgehalten haben, was sie sich wie lange angeschaut haben und wie ihre Reaktion darauf war. Das wäre auch ziemlich penetrant. Nun haben Verkäufer – nicht erst seit der Corona-Pandemie – einen Vorteil auf ihrer Seite. Viele Kaufinteressenten besichtigen Immobilien vorab digital. Hier wird es für Verkäufer interessant. Eine virtuelle Besichtigung ermöglicht die Datenerfassung deutlich diskreter, schneller und effektiver als eine analoge Begehung. Zudem können wir die Erkenntnisse anonymisieren, aggregieren und in ein Verhältnis setzen. Das war vorher kaum möglich.

Das Bauchgefühl hat ausgedient

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind weitaus verlässlicher als das Bauchgefühl in der Vermarktung. Schließlich können wir damit nachweisen, was bei Interessenten gut ankam und was nicht – ohne auf Mimik, Gestik und bestimmte Gespräche zu achten. Wir können das Nutzerverhalten analysieren, ein Instrument, das in vielen technologisch weitaus fortgeschritteneren Branchen längst Alltag ist. Denken wir nur einmal an den E-Commerce. Wieso haben wir in der Immobilienvermarktung so lange darauf gewartet? Das weiß ich auch nicht. Aber eines weiß ich: Das Bauchgefühl hat ausgedient. Jetzt übernimmt die Datenanalyse.

Enrico Kürtös

Enrico Kürtös

Als Gründer und CEO von FlatyFind kennt Enrico den digitalen Immobilienmarkt wie seine eigene Westentasche. Neben einem breiten Expertenwissen hat er vor allem eins: Eine Meinung. Beides teilt er gerne mit Ihnen hier auf dem Blog.

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